Marokko - Auf der Straße der Kasbahs

Wenn sich am Morgen die Sonne über den Bergen des Atlasgebirges erhebt, ertönt von allen Seiten der Ruf des Muezzin. Er mahnt die Gläubigen zum Gebet ... Eine Stadt erwacht !

marrakech

Wir sind in Marrakech! ... der Stadt, die dem Land Marokko seinen Namen gegeben hat. Als die "über den Atlas geworfene Perle des Südens" wird sie von einem alten arabischen Dichter bezeichnet – und in der Tat ist die von einem breiten Palmengürtel umgebene Königsstadt am Nordrand des Atlasgebirges eine der schönsten Städte des Landes überhaupt. Tradition und Moderne treffen allerorten aufeinander.

Die Religion prägt das Leben der Menschen hier. Für die Muslime ist der Koran, die heilige Schrift, das Gesetz des Alltags. Er enthält die fünf Gebote des Islam: das Glaubensbekenntnis zu Gott Allah, das Gebet, die Almosengabe an Arme, die Einhaltung des Fastenmonats Ramadahn und die Pilgerfahrt nach Mekka. Aber auch Verbote wie den Genuß von Alkohol und den Verzehr von Schweinefleisch.

Inmitten der Medina schlägt das Herz der Stadt: die Djemaa-el-Fna, der Platz der Geköpften. Dort, wo früher blutig Gericht gehalten wurde, herrscht heute ursprüngliches orientalisches Treiben. Wie im arabischen Mittelalter führen die Gaukler hier ihre Kunststücke vor. Die Djemaa-el-Fna ist der lebendigste Platz Marokkos, ja vielleicht ganz Nordafrikas!

wasserverkäufer auf der djemaa el fna

Beliebtes Fotomotiv – die Wasserverkäufer!

Schlangenbeschwörer führen ihre magischen Künste vor. Ein Dentist, ein Zahnarzt, zeigt stolz seine Trophäen. Beim Tuareg kann man allerlei wundersame Heilmittel und Kräuter erstehen. Der Falkner fehlt ebensowenig wie der Mann mit dem Affen.

Am späten Nachmittag räumen die Gaukler den Platz und die Djemaa-el-Fna verwandelt sich in eine riesige Freiluftgaststätte.

Am Ausgang der Djemaa-el-Fna, dort wo sich der Platz immer mehr verengt, folgen wir dem Gedränge der Menschenmenge. Wir erreichen die Souks von Marrakech! In einem engen, unüberschaubaren Labyrinth von Gassen und kleinen Plätzen befinden sich die Läden und Marktstände der Korbmacher und Töpfer, der Kupferziseleure und Eisenschmiede, der Drechsler und Holzschnitzer. Gedrechselt wird im Handbetrieb. Eine Art Bogen, dessen Seil das Holzstück umspannt, ersetzt den Elektromotor. Das Drechselwerkzeug wird mit dem Fuß geführt. Aber auch Gewürze, Lebensmittel und Gemüse, Lederwaren, Schmuck und viele andere Dinge kann man hier erstehen. Die in Käfigen gehaltenen Chamäleons werden getötet, getrocknet, zu Pulver zerrieben und zu allerlei wundersamen Heilmixturen verarbeitet.
Bis in die Nacht hinein herrscht orientalisches Treiben, wird gefeilscht und gehandelt...

teppichweberin

Teppiche sind ein Markenzeichen Marokkos !
Sie werden von den Frauen in mühsamer Handarbeit meist aus Schafwolle geknüpft oder gewebt. Berberteppiche enthalten zudem Anteile aus Seide. Hochwertige Teppiche haben eine Knüpfdichte von über 100.000 Knoten/qm. Ist der Teppich ein Auftragswerk, bleibt nichts dem Zufall überlassen. Farben, Geometrie der Muster und Symbole sind ein Spiegelbild des Charakters und der Lebensumstände des Auftraggebers.

Der wohl schönste Souk von Marrakech ist der "Souk des Teinturies" – der Färber-Souk. Wolle und Stoffe werden hier in großen Farbkesseln gekocht und dann auf Stangen zum Trocknen in die Sonne gehängt. Die Farben sind ausschließlich Naturprodukte versichert man uns. Stolz zeigt uns M. Hassan seine neueste Tuch-Kollektion.
Durch das Bab Agnaou, einem alten arabischen Stadttor, gelangen wir schließlich zur Kasbah, dem ältesten Teil der Medina von Marrakech und einst Sitz des Sultans Abou Youssouf Yakoub el Mansour. Wenn die einstigen Herrscher vom Gang durch die engen Gassen der Altstadt und dem Gedränge auf der Djemaa-el-Fna und in den Souks allzusehr erschöpft waren, dann suchten sie Ruhe und Entspannung in den zahlreichen Gärten von Marrakech. Und so ergeht es auch dem Besucher von heute. Die Farbenpracht der Blumen und Früchte, das Wasser in den Becken und Brunnen sowie die Ruhe unter schattigen Palmen stehen in reizvollem Kontrast zu dem staubigen Braun der Mauern und dem Lärm auf den Straßen und Plätzen.

abend auf der djemaa-el-fna

Inzwischen ist es abend geworden. Wenn die Sonne ihre letzten Strahlen über die Djemaa-el-Fna ergießt, und die Hitze des Tages nachläßt, erwacht die Stadt erst richtig zum Leben ! Auf dem Platz treffen sich Menschen aus allen Teilen des Landes: Araber des Nordens, Juden aus der Altstadt, Berber vom Atlasgebirge und Beduinen der Wüste. Über allem liegt ein Duft von grünem Tee und der Geruch von gebratenem Fleisch und frischem Brot. Gaslampen spenden ihr gelbliches, geheimnisvolles Licht und es ist wie in einem Märchen aus 1001 Nacht !

Am nächsten Morgen verlassen wir Marrakech. Unsere Reise führt uns weiter über das Atlasgebirge nach Süden. In Ouarzazate erreichen wir das Tal des Dadès. Wir folgen dem Fluß stromaufwärts auf der Route der Kasbahs bis in die Sanddünenfelder des Erg Chebbi im Nordwesten der Sahara.
druse
Bei der Fahrt ins Gebirge treffen wir immer wieder auf Stände von Mineralien- und Keramikhändlern. Besonders interessant sind die Drusen – hohle Halbedelsteine, deren Kristalle in der Sonne wie Diamanten glänzen.
Wir sind im Atlasgebirge – im Hochland der Berber ! Die Berber sind die Ureinwohner Nordafrikas. Ihren Namen erhielten sie von den Römern, die alle Fremden, die in einer für sie unverständlichen Sprache "babelten" einfach Barbaren nannten. Sie bilden auch heute noch den größten und dominierenden Anteil an der Bevölkerung Marokkos. Die entscheidenden Positionen in Wirtschaft und Armee sind von Berbern besetzt und der marokkanische König Hassan II. hatte durch die Vermählung mit einer Berberin seine Nähe zu dieser Bevölkerungsgruppe demonstriert. So sind Politik und Religion in Marokko liberaler als in anderen arabischen Nachbarstaaten.
berbermädchen
Beim jedem Halt im Gebirge werden wir immer wieder von neugierigen Kindern umringt.
Die Frau besitzt bei den Berbern mehr Rechte und Freiheiten als bei den Arabern. Sie bewegt sich in der Öffentlichkeit ohne Schleier. Man sieht die Frauen häufig bei Haus- und Feldarbeit, währenddessen die Männer ihre Zeit im Kaffeehaus verbringen.

Wir nutzen die letzte Tankstelle vor dem Aufstieg. Hier wird per Hand gepumpt, da der Ort, wie viele Dörfer im Atlasgebirge über keine Elektrizität verfügt. Eine steile Serpentinenstraße führt zum 2260m hohen Tichi-n-Tichka Paß, über den der Verkehr in Richtung Süden rollt.
Am Abend, wenn die Sonne ihr glutrotes Licht über die Berge ergießt, verlassen wir das Atlasgebirge. Wir erreichen das Ksar von Ait Benhaddou !ait behaddou

Das Ksar wird noch heute von den Nachkommen aus dem Geschlecht der Ben Haddous bewohnt. Es besteht aus sechs einzelnen ineinander verschachtelten Kasbahs und bildet so eine geschlossene Wehranlage. Kasbahs sind die Wohnburgen der Berber. Ihre aus Lehm und Stroh errichteten Mauern und Türme boten Schutz vor feindlichen Angriffen, aber ebenso vor der Gluthitze der Sonne und dem gleißenden Licht des Tages.
Die Lehmmauern müssen vor allem nach Regenfällen ständig ausgebessert werden. Viele nicht mehr bewohnte Bauten sind daher nur noch Ruinen – ein Erdhügel ist das was zum Schluß noch übrig bleibt. Die Kasbahs von Ait Benhaddou wurden deshalb unter den Schutz der UNESCO gestellt. Oft schon dienten sie als eindrucksvolle Filmkulisse.
Am Eingang zur Kasbah bieten Souvenirhändler ihre Waren an. Besonders wertvoll ist der Silberschmuck der Berber: Die Hand der Fatima und das Kreuz des Südens. Sie besitzen symbolische Bedeutung gegen den "bösen Blick" und zur Abwehr von Unheil.taourit

Die Kasbah von Taourirt ! Sie ist eine der am besten erhaltenen Wohnanlagen aus rotbraunem Stampflehm. Bis vor wenigen Jahrzehnten noch gehörte sie zum Besitz des mächtigen Geschlechts der Glaoui, einem Berberstamm, der weite Teile des Hohen Atlas' kontrollierte. Noch heute ist die Machtfülle der einstigen Herrscher spürbar. Der legendäre Glaoui – Fürst, ehemals Verbündeter der französischen Kolonialherren, wurde nach seiner Entmachtung in den 50iger Jahren von den Franzosen im Stich gelassen und starb verarmt im Exil.
Wo früher einflußreiche Berberfürsten residierten, verbringen heute Urlauber ihre Ferien, wie in Ouarzazate im Hotel "Riad Salam", das im Original-Stil einer Kasbah erbaut ist. Der Tourismus ist zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor des Landes geworden. Gastlichkeit, Exotik und Abenteuer erwarten denjenigen, der bereit ist, sich für das Fremde zu öffnen. Durchschnittlich 341 Sonnentage pro Jahr lassen den Hotelgarten zu einem wahren Paradies werden.

Diese üppige Vegetation verdankt die Gegend dem Stausee El Mansour Eddahbi, der das vom Atlas kommende Wasser des Dadès sammelt. Sein einziger Abfluß ist der Oued Dra. Nachdem er in einem Canyon die kahlen Felsen des Saghro-Massifs durchschnitten hat, fließt er in Richtung Südwesten. Sein Ziel – die Mündung in den Atlantik - erreicht der Fluß heute nicht mehr. Er versickert vorher in der Einöde der Wüste. Doch das ausgetrocknete Flußbett bildet die Route, auf der die Karawanen der Berber gen Süden ziehen. Wir folgen jedoch unserer Reiseroute am Südrand des Atlasgebirges und erreichen die Kasbah von Tiffoultoute in der Nähe eines kleinen Dorfes. Auch sie gehörte dem Glaoui-Fürsten. Ein Teil der Anlage ist liebevoll restauriert und zum Hotel mit einem sehr schönen Innenhof umgewandelt.störche Die Türme der Kasbah beherbergen aber auch noch andere Gäste. Störche überwintern im Süden.

Unsere Fahrt geht weiter – durch das breite Tal des Dadès flußaufwärts – vorbei an stolzen Kasbahs und ausgedehnten Städten, die in die Hänge des Gebirges eingebettet sind. Restaurants laden zum Verweilen ein. Im Baustil immer wieder unverkennbar - ihre großen Vorbilder: die Kasbahs..!

An einer Engstelle müssen wir den Fluß, der vom Gebirge kommt, verlassen. Die asphaltierte Straße führt uns nach Osten. Auf einer befestigten Furt queren wir ein breites Flußbett. Da viele Flüsse nur selten Wasser führen, sind Brücken oft überflüssig. Nach einigen Stunden Fahrt erreichen wir Tineghir – eine der schönsten Oasenstädte Marokkos, in über 1300 m Höhe. Die alten aus Lehm gebauten Stadtviertel zerfallen zusehends, doch am Rande entstehen neue Siedlungen – aus Beton, so daß die Stadt heute weit über ihre ursprünglichen Grenzen hinausgewachsen ist. tineghir

Ein Meer aus Palmen umgibt diese Stadt. Datteln, Getreide, Oliven, Obst und Gemüse sind die Anbauprodukte der Oasengärten und damit die Lebensgrundlage der Bewohner. Ein System aus Bewässerungskanälen durchzieht die Palmengärten. Das Wasser wird oberhalb der Stadt aus dem Fluß abgeleitet und gleichmäßig auf alle Anbauflächen verteilt. Der Fluß dient auch zum Waschen der Kleidung. Die Wäsche wird anschließend zum Trocknen über die Sträucher ausgebreitet.
Unmittelbar hinter der Oasenstadt hat sich der Fluß Todgha tief in die rostroten Kalkfelsen des Atlasgebirges eingeschnitten. Er hat hier eine grandiose Felsenge mit bis zu 300m hohen senkrechten Felswänden geschaffen, die an ihrer engsten Stelle nicht breiter als 10 Meter ist. Nur mit einem robusten Fahrzeug oder besser zu Fuß sollte man diese Schlucht durchqueren.

Die Landschaft wird allmählich flacher, die Vegetation immer spärlicher. Dromedare tauchen am Straßenrand auf. Wir nähern uns der Wüste Sahara !sahara

Mit einem zuverlässigen Begleiter setzen wir nun die Reise fort. Er führt uns zu einem befestigten Brunnen mit sauberem Trinkwasser – eine Überlebensgrundlage in der Wüste ! In der Nähe haben Nomaden ihr Zelt aufgeschlagen.
Bei der Fahrt über die steinige Hamada sehen wir plötzlich Wasser und Sanddünen am Horizont. Doch es gibt hier kein Wasser und die Dünen sind noch weit entfernt – es ist eine optische Täuschung, eine ... Fata Morgana.

Krähen in der Wüste bringen Unglück ! ... sagt ein altes arabisches Sprichwort – und obwohl wir nun die Dünenfelder von Merzouga bereits vor uns sehen mahnt unser Begleiter Abdelali plötzlich zur Eile. Die ganze Zeit hatte er sich immer wieder besorgt nach hinten umgesehen. Als wir die Sanddünen erreichen, begreifen wir warum.sandsturm Plötzlich verfinstert sich der Himmel und ein Sandsturm bricht los. Zum Glück bietet eine einfache Herberge Schutz und Unterkunft. Doch am nächsten Morgen hat sich der Sturm verzogen. Nur der schwarze Staub, der aus der steinigen Hamada herüber-geweht wurde, ist noch im Sand der Dünen zu erkennen.
Ein strahlendblauer Himmel spannt sich über die Weiten der Sahara. Die Dromedare werden zum Ausritt vorbereitet. Vor uns erstreckt sich der Erg Chebbi mit seinen über 100m hohen Sanddünen.

Wir sind am Ziel unserer Reise angelangt. Glutrot versinkt die Sonne hinter den Dünen der Sahara ! Mit zahlreichen Souvenirs, aber vor allem auch mit vielen Erinnerungen kehren wir nach Hause zurück. Über den Wolken ziehen noch einmal die Bilder der vergangenen Tage
an uns vorbei...

nach oben Berichte Startseite